DIPLOM-ÜBERSETZERIN · PUBLIZISTIN · FELDENKRAIS-LEHRERIN

Der nächste VHS-Kurs

Anders als sonst verteilt sich der Herbstkurs 2017  auf zwei Blöcke; gemeinsam werden es zehn Wochen sein.

Der erste Block beginnt am Dienstag, dem 22. August, und endet am Dienstag, dem 26. September. Hier werde ich wie sonst auch vom Anfang anfangen, so dass wirklich jeder Neugierige willkommen ist, aber andererseits auch schon einigermaßen Erfahrene einen Gewinn draus ziehen können. Wie das möglich ist? Nun, gerade in der Antwort auf diese Frage liegt eins der Geheimnisse der Methode, lassen Sie sich überraschen. In jedem Fall geht es um Sie, um Ihre Erfahrungen mit Ihrer eigenen Bewegung.

Der zweite Block erstreckt sich über vier Wochen vom Dienstag, dem 7. November bis Dienstag, dem 28. November. Hier werde ich auch etwas anspruchsvollere Lektionen anbieten, die zumindest für alle, die im August und September dabei waren, zugänglich sein werden.

Probieren Sie es aus!

Anmeldung bei der Volkshochschule Frankfurt am Main; Tel. 212- 39808 oder Internet www.vhs-frankfurt.de,

unter Kurs 3282-51 S (36,- €)    und    Kurs 3283-51 S  (24.-€)

Ort: Riedhofsaal, Mörfelder Landstraße 210-212  (Frankfurter Verband)

Bitte warme, bequeme Kleidung und ein Handtuch mitbringen! Matten sind vorhanden.

Frankfurt, 3.November 2007

BERICHT:

Mit farbigen Gummibändern

Wie lernt man bloß die vertrackte Anatomie?
In der Ausbildung wurden ja einige Unterrichtstage geboten. Ich erarbeitete mir ein relativ deutliches Bild vom menschlichen  Skelett. Man kommt bei Feldenkrais über das Skelett ziemlich weit, Schwerkraft und die Bewegung selbst lassen sich daran anschaulich explizieren. Erfahrung und Einfühlung tun das Ihre dazu, damit man erreichen kann, dass die Bewegungen leichter und fließender werden. Mit der Zeit wünschte ich mir als Feldenkraislehrerin dennoch eine gründlichere Kenntnis von Muskeln und Bändern.
Ich hospitierte zwei Tage lang im Präparationssaal einer anatomischen Fakultät. Der Zufall meines Besuchs wollte, dass ich damals etwas über das Gehirn lernte, und auch über die Konservierung der Leichname, die zum Sezieren vorbereitet werden. Ich sah unter anderm einen herauspräparierten Nervenkranz. Sechs Wochen verbrachten die Medizinstudenten im Präparierkurs, jeden Wochentag von morgens neun bis nachmittags um vier. Morgens in der ersten Stunde  wurde ihnen eine bestimmte Körpergegend theoretisch und bildlich vorgestellt, anschließend forschten sie ihr bis nachmittags am menschlichen Körper selber nach, und jede Woche mußten sie eine Prüfung ablegen. Der Formalingeruch im Saal war schwer zu ertragen. Wer sich nicht daran gewöhnt, kann kein Arzt werden. Mit Erleichterung gab ich nach zwei Tagen meinen Kittel wieder ab.
Krankenpflegern wird dergleichen in der Ausbildung nicht zugemutet, wie kommt das? Brauchen sie sich nicht so genau in der Anatomie auszukennen?
In unserer Stadt gastierte die Ausstellung „Körperwelten“. Die Schau wurde oft angegriffen, ich fand die Angriffe übertrieben. Denn die Ehrfurcht vor dem Bild des Menschen war bei den Besuchern sehr deutlich zu spüren, es herrschte Stille und die Leute gingen wissensdurstig umher. Aber lernte ich dort etwas dazu? Und wenn nicht, warum nicht?
Ich konnte in der Ausstellung und auch im Präpariersaal nichts lernen, weil der Anblick all dieser Muskeln, Adern, Knochen und Gelenke nichts mit mir, nichts mit meinen eigenen Bewegungen zu tun hatte – und auch nichts mit den Bewegungen meiner Klienten. Nur im Hörsaal erlebte ich, wie eine Professorin die Studierenden aufforderte, dem einen oder andern Muskel – dem Glutaeus Maximus zum Beispiel – bei sich selbst in der Bewegung nachzuspüren. Die Professorin stand unten im Licht, auf den Rängen des steilen Hörsaals blieben die Studenten hinter den halbhohen Holzwänden fast unsichtbar. Wer von den Lernenden etwas fand, fand etwas, wer nichts fand, fand nichts. Wer wollte, konnte ja später noch mal nachfragen.
In der Schweiz wird neuerdings die Regelung eingeführt, dass alle Angehörigen von Berufen, die mit Gesundheit zu tun haben, „Basis-Medizin“ lernen müssen, vorläufig auf 150 Lernstunden begrenzt, mit abschließender Prüfung. Das gilt dort dann auch für Feldenkraislehrer.
Und zur Basis gehört natürlich die Anatomie. Ich hatte am Wochenende des 28. Oktober  das Glück und das Vergnügen, einen Schweizer Anatomie-Lehrer kennenzulernen: Dr. med. Peter Brändli. Er ist Facharzt für Orthopädie, aber 1999 schloß er eine zusätzliche Feldenkrais-Ausbildung in Hawaii ab. Seitdem hat er den Schwerpunkt seiner Praxis darauf verschoben. Auch bereitet er sich auf den neuen Unterrichtsbedarf in der Schweiz vor. Er kam nun zum erstenmal nach Deutschland, Roland Gillmayr aus Frankfurt hatte ihn eingeladen mit dem Programm: „Erfahrbare Anatomie – Vom Fuß bis zum Hüftgelenk“. Brändli brachte nicht nur Videos auf Powerpoint, sondern auch ein Skelett mit farbigen Gummibändern mit, die verschiedene Muskeln darstellten, er hatte zwei Skelett-Füsse und einen Arm dabei, Bücher und ganz eigenes Lagerungsmaterial. Anschaulichkeit und Ganzheitsdenken waren die Grundlagen seines Unterrichts.
„Stelle ich mir als Feldenkrais-Lehrer harmonische Bewegungen eines Skeletts vor,“ schreibt Brändli, „so kann ich erahnen, wie Muskeln liegen müssen, um eben diese Bewegungen zu steuern.“  Er ließ es uns mehr als erahnen, wir erfuhren, wie ein Knie von innen aussieht, wo die Kreuzbänder verlaufen, was wir mit dem Wadenbeinköpfchen unternehmen können, um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie selbstverständlich fielen lateinische und deutsche Fachwörter, es wurden in den Gruppengesprächen auch pathologische Fälle angesprochen und erläutert. Wir wissen nach drei Tagen, dass sich das Bein, jedes von beiden, spindelförmig bewegt oder es doch will, wenn man es nicht daran hindert, und wir spüren es.  Wir haben gesehen und gefühlt, wo genau die ominösen „hamstrings“verlaufen, wie sie aussehen; wir wissen, in welche Richtung  die Achse des Oberschenkelhalses verläuft  - und wir wissen es so, dass wir es nicht mehr vergessen. Wie sieht eigentlich die Kapsel am Hüftgelenk genau aus, wie funktioniert sie? Wußte jemand, daß der Gelenkkopf unter anderm durch ein Vakuum in dieser Kapsel festgehalten wird? Und dann die sechs Hüft-Muskeln, die man als „Außenrotatoren“ zusammenfassen kann – sie halten auch die Muskeln des Beckenbodens, trainieren sie mit jedem freien, ungehinderten Schritt.
Wahrlich, die 17 Stunden intensiver Aufmerksamkeit haben sich gelohnt. Alle Teilnehmer hoffen nun, dass Peter Brändli bald wiederkommt und seinen Unterricht fortsetzt, mit den Themen: „Bauchraum, Brustkorb, Atmung“, oder „obere Extremitäten – Hals und Kopf“ oder „Wirbelsäule“. Wir haben nämlich ganz nebenbei auch viel zu lachen gehabt.





Seit 1998 bin ich Feldenkraislehrerin. Ich habe bei Bruria Milo in St. Johann im Pongau (Österreich) gelernt. Zu meinen weiteren Lehrern gehörten u.a. Edward Dwelle, Jerry Karzen, Chava Shelhav und Carl Ginsburg. Ich bin Mitglied der deutschen Feldenkraisgilde.

Was verstehe ich unter „Feldenkrais“?

Mit Hilfe der Feldenkrais-Methode kann die Beweglichkeit von lebenden Organismen verbessert werden - nicht nur von Menschen, sondern auch von anderen Wirbeltieren, z.B. Pferden. Genannt wird sie nach dem Begründer der Methode, Dr. Moshé Feldenkrais (1904-1984). In vierjähriger Ausbildung erhalten Feldenkrais-Lehrer die Fertigkeit, mittels ungewohnter und meist wenig Kraft fordernder Lektionen den Bewegungsradius ihrer Schüler zu erweitern, möglicherweise sie auf diesem Wege auch von Schmerzen zu befreien, vor allem aber, ihr Bewußtsein für ihre Bewegungen zu schärfen. „Wenn ich weiß, was ich tue, kann ich tun, was ich will“, pflegte Moshé Feldenkrais zu sagen.

Die Methode wird in Sanatorien ebenso wie in Schauspielschulen eingesetzt, Sänger greifen gern zu ihr. Senioren können mit ihrer Hilfe ihren eigenen Bewegungsradius wieder erweitern. 

 

 

Archiv

Am 16. Oktober 2007 begann ich einen neuen Gruppenkurs für acht Wochen, einmal die Woche (dienstags, 18 Uhr, Mörfelder Landstr. 210) an der Volkshochschule Frankfurt.


Die Teilnahme ist im Prinzip nicht an Alter oder Gesundheitsstand gebunden. Wir arbeiten jedoch auf dem Fußboden (Matten vorhanden) - wer sich das nicht mehr zutraut und dennoch interessiert ist, kann immerhin gern am ersten Abend zum Zugucken kommen, um sich ein eigenes Bild zu machen.

Seitdem lade ich zweimal im Jahr - jeweils etwa Anfang Oktober und Ende Januar - zu einem achtwöchigen Kurs ein. Kein Kurs ist identisch mit dem andern. Ich lerne dabei selbst auch immer weiter und besuche jedes Jahr Fortbildungskurse.

Feldenkrais ist zu einem wesentlichen Teil meines Lebens geworden.

 


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